Monthly Archives: December 2010

23 Minuten Beratung

Seit ein paar Wochen trage ich mich mit dem Gedanken, zu meinem Handy-Tarif, mit dem ich bis auf eine Kleinigkeit recht zufrieden bin (dazu später mehr), einen Datentarif dazuzubuchen, einen reinen Datentarif für UMTS, damit ich endlich mal auch die bereits in mein Netbook eingebaute UMTS-Hardware nutzen kann, eine bisher noch nicht abgeschlossene Geschichte in mehreren Akten.

Die Protagonisten

  • der langjährige zufriedene Kunde
  • diverse Mitarbeiter verschiedener Mobilfunkprovider

Prolog

Ich habe ein steinaltes Handy, ohne Kamera, ohne WLAN, ohne UMTS, ohne Radio, ohne Speicherkarte, ohne mp3-Player, ohne Touchscreen – kurz und gut, ein Telefon zum Telefonieren, Wecken und SMS verschicken. Mehr kann es nicht und soll es auch nicht. Wenn es vom Zug überfahren wird, kaufe ich mir für 30 € ein neues, das genauso viel kann und nicht mehr.

Desweiteren habe ich ein Netbook vom Typ Samsung NC10 mit eingebautem UMTS-Modem. Akku raus, SIM-Karte rein, Akku wieder rein und schon soll man surfen können. Ein Smartphone will ich nicht, erstens weil es zu teuer ist und zweitens weil ich da schlecht Vim und Mercurial installieren kann und keine Tastatur habe, ich will einen mobilen Rechner, kein Multimedia-Spielzeug.

Akt 1 – Die anderen

Bevor ich zu meinem Netzbetreiber gestiefelt bin, hab ich diverse andere Leute befragt, wie sie das so machen. War alles nicht so das richtige dabei, zumal meist ein Smartphone involviert war oder teure tageweise Tarife oder oder oder. Ich will das, was ich im Prolog andeutete und zwar auch jetzt noch, nachdem ich da ein paar Wochen drüber gegrübelt hab.1

Also zog ich los zu den vier großen Netzbetreibern und horchte mich nach aktuellen Angeboten um. Randbedingung: reiner Datentarif für Notebook ohne Beschränkung des Datenvolumens. Alle vier bieten das an, von Resellern lass ich lieber die Finger, da kochen dann noch mehr Beteiligte dran rum, das muss ich mir nicht geben.

Bei T-Mobile2 lag der Preis um die 30 € im Monat, zu viel. Auch die 25 € von O₂ waren jenseits meiner Schmerzgrenze. Die 20 €, die e-plus aufrief, gefielen mir schon eher. Die Recherche war in Magdeburg im Allee-Center ohne Anstehen innerhalb von einer viertel Stunde erledigt.

Akt 2 – Der Vodafone-Laden

Weil ich mir so Vertragskram gern persönlich von Menschen anhöre, wo man auch mal nachfragen und eine rechtsgültige Unterschrift auf Papier setzen kann, versuchte ich mein Glück auch noch im Laden von Vodafone, meinem aktuellen Netzbetreiber. Immerhin bin ich zufriedener Kunde seit dem Jahre 2000. Meine SIM-Karte mit der Aufschrift »D2 privat« zeugt davon. Ich ging immer mal wieder in deren Laden im Allee-Center in Magdeburg vorbei. Zu einer persönlichen Beratung kam es erst nach etlichen Wochen, weil ich nie mehr Geduld als 10 Minuten hatte, um mal an einen freien Kundenberater zu gelangen. Ein Andrang dort, verblüffend. Schlussendlich konnte ich jedoch noch die Auskunft ergattern, dass mich der gewünschte Tarif auch hier 25 € kosten würde.

Akt 3 – Die Vodafone-Website

Dass die Tarife moderner Mobilfunkbetreiber einfach zu verstehen wären und über Jahre konstant, erwartet wohl heutzutage niemand mehr. Umso schwerer muss es den Webentwicklern fallen, das in eine nutzerfreundliche Website zu gießen. Nach einigem Hin- und Herklicken durch Tariffindeprogramme, Tarifübersichten, Online- und Stammkundenvorteile, glaubte ich, den passenden Tarif gefunden zu haben: »Mobile Internet Flat 3,6« mit Online-Vorteil 24 x 100 Frei-SMS. Mit den 24 Monaten Vertragslaufzeit hatte ich mich auch schon abgefunden, nun denn. Kurz vor dem finalen Bestätigen der Bestellung, fiel mir jedoch auf, dass nicht dabei stand, ob diese Frei-SMS denn nur für das Vodafone-Netz oder auch für alle anderen Netze gelten würden. Letzteres wäre genau der springende Punkt gewesen. 100 SMS im Monat für 5 €, ein deutlich angenehmerer Preis als die 19 Cent, die ich derzeit pro SMS bezahlen muss!3 Also rief ich die Bestell-Hotline an …

Akt 4 – Die Hotline

Eigentlich wollte ich ja die zuvor erwähnte Auskunft. Die Frage ließ sich unmittelbar klären, hat aber bedauerlicherweise keine Relevanz mehr, wie sich noch herausstellen wird. Die Dame überzeugte mich dann, dass ich am Telefon auch den Online-Vorteil bekommen würde und zusätzlich noch eine Vorgangsnummer, die es im Internet nicht gäbe. Nun ja, weil sie so freundlich war, ließ ich mich darauf ein, den Tarif am Telefon zu buchen. Nach dem Austausch einiger Informationen stellte sich dann heraus, dass ich eine neue SIM-Karte bekommen würde – logisch – und dazu eine neue Nummer, quasi einen zweiten Vertrag. Moment! Eine neue Nummer? Heißt das, ich würde die Frei-SMS nicht mit meiner alten Nummer und dem alten Telefon nutzen können? So ist es wohl. Aber, so meinte sie, es gäbe eventuell eine Möglichkeit, wenn ich eine Twin-Card hätte, also eine zweite SIM-Karte mit der selben Nummer. Das könne sie aber nicht machen, da müsste sie mich zur normalen Hotline durchstellen.

Nach einer recht langen Warteschleife, erzählte ich dem nächsten Mitarbeiter, was ich gern hätte und dass mir zuvor gesagt worden war, das ginge möglicherweise mit dieser Twin-Card. Ich hatte zuvor schon im Freundeskreis gehört, dass man bei anderen Netzbetreibern wohl auch einfach eine zweite Karte bekäme und wunderte mich daher nicht weiter. Im Laufe des Gesprächs stellte sich jedoch raus, dass ich immer nur eine der beiden Karten zugleich nutzen könnte. Das heißt, ich hätte das Telefon ausmachen müssen, wenn ich surfen wollte und umgekehrt. Was mit SMS passieren würde, die während des Surfens eintrudelten, wagte ich gar nicht erst zu fragen. Es drängte sich nun die Frage auf, wieso denn überhaupt der Online-Vorteil mit den Frei-SMS buchbar sei? Da, so erklärte mir der freundliche Vodafone-Mitarbeiter, könnte eventuell ein Fehler vorliegen und er müsse mal mit einem Kollegen Rücksprache halten, ansonsten könnte er nichts für mich tun.

Ich beschrieb ihm dann nochmals, was ich gern hätte und dass mir im Grunde ja nur die SMS viel zu teuer seien, nicht ohne ihn zu beschwichtigen und verständnisvoll zu erwähnen, dass ich natürlich wüsste, dass er persönlich da nichts dafür könne. Ich versicherte mich dann noch, dass mit meinem Vetrag alles beim alten bliebe und er versprach, sich nochmals intern zu informieren und mich zurückzurufen. Okay. Ein Blick auf’s Handy: dieses Gespräch hatte geschlagene 23 Minuten gedauert!

Akt 5 – Der Rückruf

Keine 10 Minuten später, hatte ich den freundlichen Vodafone-Mitarbeiter wieder an der Strippe. Er entschuldigte sich vielmals und sagte, es läge hier tatsächlich ein Fehler auf der Website vor und ganz Vodafone würde sich bei mir bedanken, dass ich den gefunden hätte. Sie wollen mir eine rote Weihnachstgrußkarte schicken und bedauern den Vorfall außerordentlich. Nun warte ich also auf dieses Dankeschön und habe immernoch keinen Datentarif für’s Notebook …

Vorläufiges Fazit

Wenigstens waren alle freundlich.

Nachtrag

Ich habe über Weihnachten eine rote Tasse mit Vodafone-Schriftzug geschickt bekommen.

  1. Nicht durchgehend, so wichtig ist der ganze Kram dann doch nicht. []
  2. Heißen die gerade noch so oder schon wieder anders? []
  3. Man mache sich mal den Spaß, da den Preis pro Megabyte auszurechnen!! []

IPv6 in Debian und Ubuntu deaktivieren

In Netzen, wo jemand anderes Admin ist, kann man sich nicht alles aussuchen, unter anderem nicht, wann auf IPv6 umgestellt wird. In einem speziellen Netz, bekam ich kürzlich die Bitte IPv6 bis auf weiteres zu deaktivieren. Was bei Windows XP ein Häkchen ist, erfordert unter Debian und Ubuntu je nach Version unterschiedliche Schritte. Die Informationen dazu im Netz sind vielfältig und widersprüchlich, daher hier nochmal meine Lösungen. Ob das jeweils geklappt hat, kann man mit ifconfig oder ip addr show überprüfen, auch ein netstat -lt sollte dann keine Dienste mehr zeigen, die auf IPv6 lauschen.

Debian 5.0 Lenny

‘ipv6’ ist hier noch ein Kernelmodul, es genügt ein Eintrag in der Datei /etc/modprobe.d/blacklist – vorausgesetzt, man verwendet den Distributionskernel 2.6.26, bei einem neueren Kernel aus den Backports sieht das ggf. schon aus wie bei Squeeze, hab ich jetzt hier nicht extra geprüft.

Debian 6.0 Squeeze

IPv6 ist hier direkt in den Kernel kompiliert. Es kann über sysctl deaktiviert werden. Laut /etc/sysctl.d/README.sysctl trägt man das am besten in /etc/sysctl.d/local.conf ein. Der Eintrag lautet wie folgt:

Ubuntu 10.04 Lucid

Hier verhält es sich ähnlich wie bei Debian Squeeze. Allein die Datei in /etc/sysctl.d bekommt hier einen anderen Namen. Laut /etc/sysctl.d/README soll sie so heißen:

End-users can use 60-*.conf and above

Ich hab die Datei 60-disableipv6.conf genannt, der Inhalt ist ebenso: